
Lina, mein erster Hund aus dem Auslandstierschutz.
Im Tierheim gab man ihr den Namen Alkioni und der hat folgende Bedeutung:
Alkioni war in der griechischen Mythologie eine Nymphe in die Zeus verliebt war. Sie aber wollte von ihm nichts wissen und er verwandelte sie voller Zorn in einen Vogel. Sie hatte ihre Eier im Januar gelegt welche die Kälte zerstörte. Zeus hatte Mitleid mit Alkioni und befahl, dass, wenn sie ihre Eier legt, das Wetter schön und warm sein muss. Seitdem gibt es in Griechenland das Phänomen, ca. 20 sonnige und warme Tage im Januar.
Als kleiner Welpe wurde sie von einem Auto angefahren und saß schwer verletzt mitten auf einer stark befahrenen Straße, als sie von einer Tierschützerin gerettet wurde. Lina war in einem schrecklichen Zustand, grade mal ca. 3 Monate jung, völlig ausgehungert, geschwächt und einem Oberschenkelbruch. Sie wurde sofort tierärztlich versorgt, leider nicht fachgerecht. Der Tierarzt verband die Bruchstelle mit einem Stift und ließ ein ganzes Stück aus dem Oberschenkel ragen. Lina muss so große Schmerzen gehabt haben, dass sie sich unter lautem Schreien den Stift aus der Wunde zog. Ein anderer Tierarzt konnte an dem kleinen Knochen nichts mehr richten. Und so ließ man den Bruch zusammen wachsen in der Hoffnung, das Lina bald wieder laufen kann. Sie gewann an Lebensfreude, tobte und rannte mit den anderen Hunden.

Wäre der Bruch fachmännisch versorgt worden, hätte Lina heute keine Probleme
Jetzt konnte sie vermittelt werden und kam zu uns.
Sie ist einfach nur goldig, verschmust und verfressen.
Als sie zu uns kam, hat sie uns sehr schnell gezeigt, wie sie an Futter kommt. Kaum war der Tisch gedeckt, stand sie darauf, wollte man grad in sein Brot beißen, kam Lina angeflogen und hat sich das Brot geschnappt. Alles was auf dem Tisch lag, war vor Lina nicht sicher. Es hat einige Zeit gedauert, bis sie einigermaßen ruhig liegen blieb, während wir aßen. Danach sollte sie ja auch noch ein Leckerchen bekommen. Nach ein paar Tagen hartem und anstrengendem Training hat es recht gut funktioniert.

Ich musste immer aufpassen, wenn ich einen Schrank öffnete. Lina hüpfte sofort hinein und machte es sich in der Wäsche gemütlich. So bekam sie ihre erste eigene Höhle in Form eines Umzugskartons und dieser wurde ihr ganz spezieller Platz, wo sie sich zurück ziehen konnte. Irgendwann hatte sie genug von dem Karton und zerstörte ihn in kurzer Zeit. Heute gibt es unzerstörbare Höhlen in Form von Hundezelten, Flugboxen und einem kuscheligen Platz unter dem Schreibtisch.
Linas Ängste draußen ließen sich recht gut und schnell beheben. Vor Autos hatte sie erstaunlicherweise keine Angst.
Die Maus ist und war einfach nur ein Schatz. Sie verstand sich auf Anhieb mit Laika, liebte das Autofahren, schloss viele Freundschaften und ging auf jeden Hund freundlich zu. Sie hat getobt, ist gerannt und hat gespielt – mir ging das Herz auf – doch dann kam es immer öfter vor, dass sie nicht mehr laufen wollte und ich sie tragen mussten.

Es wurde ein aktuelles Bild ihrer Knochen gemacht. Was ich da sah, war erschreckend. Ihr Beinchen hatte eine L-Form. Und wieder gingen die Rennereien los, wie zu Laikas Zeiten. Mir wurde von einer OP abgeraten, da der Bruch schon älter war. Linas ganzer Körper und der Bewegungsablauf, hat sich auf die Fehlstellung eingestellt. Durch eine OP würde nicht nur der Knochen gerichtet werden, sondern auch Muskeln, Sehnen und Bänder müssten korrigiert werden. Ein Prozess, der lange Zeit dauern würde, viele Operationen würden anstehen und letztendlich weiß keiner, wie ihr inzwischen auf die Fehlstellung eingestellter Körper reagieren würde. Ich habe mich mit Spezialisten unterhalten und alle rieten von einer Operation ab. Lieber ein verkürztes und schönes Leben als ein unwürdiges, schmerzhaftes Leben. Wie schon erwähnt, eine Tierärztin wollte es versuchen – aber nein, Lina ist kein Versuchskaninchen. Wir haben uns entschieden für ein vielleicht kürzeres aber schönes Leben.
Lina bekam sofort ein Schmerzmedikament verschrieben und ihre Lebensfreude kehrte wieder zurück. Mit anderen Hunden wollte sie keinen Kontakt mehr. Sie sucht sich die ruhigen Artgenossen aus mit denen sie zusammen auf Schnüffeltour gehen kann und keine wilden Spiele statt finden.
Lina lief immer schlechter, das Medikament zeigte kaum noch Wirkung. Auf unserer Gassirunde blieb sie immer früher wie erstarrt stehen, speichelte und ging keinen Schritt mehr weiter. Nahm ich sie auf dem Arm, muss ihr auch das weh getan haben. Sie wurde immer apathischer. Auf dem Rücken ließ sie sich nicht mehr berühren und verschwand sofort in ihre Höhle. Ich kenne Lina und wenn sie sich verkriecht, fast den ganzen Tag verschwunden bleibt, dann geht es ihr sehr schlecht.
Ihr gesamter Rücken war knüppelhart. Eigentlich logisch – die Schmerzen wurden größer und der Körper verspannte immer mehr. Also, ab zum Tierarzt. Rückenschmerzen wurden ausgeschlossen, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung wurde vermutet. Mit neuen Medikamenten und ein paar Dosen Schonkost fuhren wir nach Hause. Aber Lina ging es nicht besser, im Gegenteil, sie bekam heftigen Durchfall. Meist passiert sowas ja immer in der Nacht. Und während ich mich darum kümmerte das Haus sauber zu kriegen, lief Lina nur noch raus in den Garten und wieder rein ins Haus. Am nächsten Tag wieder zum Tierarzt und ein Ultraschall vom gesamten Bauchraum wurde gemacht – ohne Befund. Blut wurde abgenommen und jetzt hieß es warten bis das Ergebnis da ist. Und das ging recht schnell. Alle Werte waren soweit inordnung. Nur der Hämatokritwert sah gar nicht gut aus. Linas Blut war viel zu dick und sie bekam sofort eine Infusion. Am nächsten Morgen brachte ich sie noch einmal zur Infusion in die Praxis, wo Lina auch den ganzen Tag verbracht hat und unter Beobachtung stand. Nach ein paar Tagen ging es meiner Maus schon besser, aber ganz fit war sie noch nicht.

Heute fahren wir beide mit dem Fahrradanhänger und Lina genießt es
Es war auch wieder Zeit für eine Akkupunktur, gleichzeitig gab es eine osteopathische Behandlung und Linas Verspannungen waren nicht mehr so stark. Sie bekam ein anderes Schmerzmittel, was sie auch eine Weile gut vertragen hat, bis es ihr auf den Magen schlug und sie anfing oft zu brechen.
Mensch, was eine Tortur, das alles zog sich schon mehrere Wochen hin. Und wieder gab es ein anderes Schmerzmittel und - Gott sei Dank – es hilft und Lina verträgt es. Aber seit dem es ihr damals so schlecht ging, ist sie nicht mehr die Lina geworden, die sie davor war. Die nasskalte Jahreszeit tut ihren Knochen überhaupt nicht gut und sie sucht sich ein kuscheliges Plätzchen in meinem Bett. Ich weiß heute auch, dass sie nur ins Bett krabbelt, wenn ihre Knochen weh tun, sie genießt die Wärme und verschwindet wieder wenn sie genug hat.

Trotz Behinderung und Schmerzen will Lina arbeiten - hier auf Mäusejagd
Lina genießt das Leben auf ihre Art. Ich bin so froh, das sie es liebt Auto zu fahren, im Einkaufswagen zu sitzen und sich durch die Geschäfte schieben zu lassen oder einfach nur die Angestellten im Fressnapf zu „tyrannisieren“. Die Dauer unserer Spaziergänge entscheidet sie selbst. Es hat lange Zeit gedauert, bis ich heraus gefunden habe, dass Lina festen Boden unter ihren kleinen Füssen braucht um sicheren Halt zu haben. Da müssen wir ein wenig Trainieren, damit sie ein besseres Körpergefühl bekommt.

Sie ist ein klasse Hund mit ihrem eigenen Kopf. Was sie nicht will, will sie nicht und es kommt auch schon mal vor, dass sie dann ihren eigenen Weg geht. Lina ist eine riesen große Schmusebacke. Sie schmeißt sich auf den Rücken, strampelt mit ihren Vorderbeinchen, legt ihren traurigsten Blick auf und genießt es dann stundenlang am Bauch gekrault zu werden.
Lina hat es sich auch zur Aufgabe gemacht die Laura zu verscheißern, besonders wenn es um Leckerchen geht. Das sieht dann so aus: Lina stellt sich hin, bellt, Laura schießt bellend an ihr vorbei und bellt und bellt, während Lina sich umdreht, zu mir kommt, sich brav hinsetzt und auf eine Belohnung wartet. Lina ist auch kein Hund der einem anderen Hund was weg nimmt. Nein, das macht man mit einem einfachen Trick – Laura knabbert ein tolles Leckerchen, Lina hat ihres schon gegessen, es wird einmal gebellt, Laura lässt das Lecker fallen und rennt bellend los. Während Laura noch kläffend durch den Garten läuft, geht Lina seelenruhig los, um sich das Leckerchen zu mopsen.
Die Maus weiß sich schon zu beschäftigen und zu ihren größten Hobbys gehören Shoppen und Shootings und natürlich Leckerspiele. Sie genießt ihren Behindertenbonus und nutzt ihn auch schamlos aus - meine süsse Schmusebacke.
